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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Härte/Karbonathärte/Sulfathärte/Leitwert ???


Anton_Gabriel
06.02.2004, 09:19
Hallo,

Nachdem schon einige Anfragen betreffend Härte und Leitfähigkeit eingetroffen sind, hier ein kurzer Grundsatzartikel über Härte etc., der soweit als möglich auf das unbedingt für das Verständnis notwendige Ausmaß reduziert bzw. vereinfacht wurde.

Folgende Vokabeln kann man immer wieder lesen und zuweilen fehlt eine genauere Zuordnung:

Gesamthärte, Karbonathärte, Sulfathärte, Leitfähigkeit, Leitwert usw.

Was ist Gesamthärte:
das ist jener Anteil an in Wasser gelösten Stoffen, die durch Calcium, Magnesium, Strontium und Barium gebildet werden (die sogenannten Erdalkaliionen). Strontium und Barium können wir gleich wieder vergessen, die kommen im Süßwasser kaum vor. Also bilden Calcium und Magnesium praktisch die Gesamthärte. Außerdem kommen Calcium und Magnesium praktisch nie alleine im Wasser vor - je nachdem welche Verbindungen noch im Wasser vorkommen ergeben sie Karbonathärte oder / und Leitfähigkeit. Wir messen die Gesamthärte meist in Grad deutscher Härte z.B. mit Tröpchentests. Vereinfachte gesagt: alle Salze, deren Bezeichnung mit "Calcium" oder "Magnesium" beginnt ergibt im Wasser Gesamthärte.

Was ist weiches oder hartes Wasser: früher (heute auch ;-) ) konnte man bei weichem Wasser feststellen, dass es mit Seife gleich weiche und geschmeidige Hände oder Wäsche bewirkte, bei hartem Wasser blieb es länger hart anfühlend >>> so konnte man früher die Härte auch mit Seifenlösung messen - man tropfte so lange zu und schüttelte, bis ein beständiger Schaum blieb (Habe ich selber früher so gemacht :-) ). Im Aquarium wird bei Härten um 4 von weichem, bei 8 bis 10 von mittlerem und bei Härten um 18 und darüber von hartem Wasser gesprochen.

Was ist Karbonathärte:
das ist jener Anteil an Salzen, der durch Karbonate und Bikarbonate (Hydrogenkarbonate) gebildet werden. Das sind auch jene Härtebildner, welche sich nach langem Kochen als Kalk absetzen - deswegen auch als temporäre Härte bezeichnet. Diese Art der Härte ist noch viel wichtiger, da ihre Salze - im Gegensatz zur Gesamthärte - laugenbildende Salze sind! Starke Lösungen von Karbonaten können (im Aquarium kaum) einen pH-Wert von z.B. 10 haben. Im Aquarium kommen fast nur Bikarbonate (Hydrogenkarbonate) vor und die erreichen maximal einen pH-Wert von 8,6.
Im Zusammenwirken mit den CO2-Gehalt des Wassers machen diese Bikarbonate auch den pH-Wert des Wassers aus (zusätzlich beeinflussen andere Säuren den pH-Wert). Je kleiner der Karbonathärteteil des Wassers ist, desto leichter erreicht man kleineren pH-Wert - desto leichter kann der pH-Wert aber auch schwanken - höhere Karbonathärte hält den pH-Wert also konstanter aber auch höher. Besonders zu Beginn kann ich keine geringere Karbonathärte als 3 empfehlen - erfahrene Aquarianer haben auch Weichwasserbecken mit KH kleiner 1. Karbonathärte wird auch meist mit Tropftests in deutschen Härtegraden gemessen.

Was ist Sulfathärte und Nichtkarbonathärte:
Oft wird ein guter Teil der Gesamthärte durch Gips (Calziumsulfat) gebildet - deswegen bezeichnet(e) man die Gesamthärte abzüglich der Karbonathärte auch als Sulfathärte bzw. als Nichtkarbonathärte oder permanente Härte (weil sie beim Kochen nicht ausfällt).

Vereinfachung:

Jeder Stoff der mit Calcium oder Magnesium beginnt ist in der Gesamthärte enthalten.
Jeder Stoff der mit Carbonat, Bikarbonat oder Hydrogenkarbonat endet ist in der Karbonathärte enthalten.
Alle anderen Stoffe sind nicht in der Härte enthalten sondern erhöhen nur die Leitfähigkeit des Wassers.

Beispiele:
Calciumsulfat (Gips) bildet nur Gesamthärte.
Magnesiumsulfat bildet nur Gesamthärte.
Magnesiumkarbonat bildet Gesamthärte und Karbonathärte.
Natriumbikarbonat (Speisesoda) bildet nur Karbonathärte.
Natrumchlorid (Speisesalz) bildet keine Härte - macht sich in erhöhter Leitfähigkeit bemerkbar.
Natriumnitrat bildet keine Härte.
Kaliumchlorid bildet keine Härte.
Eisenchlorid bildet keine Härte.

Aus den Beispielen sieht man schon, welche Stoffe man braucht, wenn man die Härte gezielt verändern will.

Was man auch sieht, dass GH und KH an sich nicht zusammenhängen. Früher sagte man, dass die Karbonathärte ein Anteil der Gesamthärte ist (GH=KH+permanente Härte) - das stimmte auch meist, weil die normale Leitungswasserzusammensetzung dies so ergab. Wie vorher beschrieben kann man aber beliebige Werte von GH und KH haben
> theoretisch kann man Wasser mit GH 10 und KH fast Null haben - genauso wie Wasser mit KH 10 und GH fast Null oder Wasser mit GH und KH fast Null aber trotzdem Leitfähigkeit von 300 Mikrosiemens - wer da jetzt bisher mitgekommen ist, der kennt sich in Aquariumchemie schon weit besser aus als der Durchschnitt aller Aquarianer ;-).

Leitfähigkeit/Leitwert - was ist das:

So wird im Mikrosiemens pro Zentimeter angegeben praktisch der elektrische Widerstand (Kehrwert) des Wassers gemessen. Hier kann man auch alle anderen Stoffe messen, die nicht in der Härte enthalten sind (Chloride, Nitrate, Bestandteile von Düngern wie Eisen und Kalium).
Ein Härtegrad hat etwa knapp über 30 Mikrosiemens pro Zentimeter. Hat man also eine Härte von 10 und misst 350 Mikrosiemens dann ist das Wasser offensichtlich recht frisch und wenig verunreinigt > misst man 500, dann sind schon sehr viele andere Salze entstanden und ein Wasserwechsel wird fällig.

Vorläufig werde ich hier beenden, wenn gewünscht kann ich noch ein Bisserl von den Meßmethoden ergänzen etc.

Schöne Grüße, Anton Gabriel

Knut
06.02.2004, 09:31
Hallo Anton,

sehr gut und sehr verständlich formuliert! Respekt für diese Fleißarbeit.

Ich weiß jetzt auch nicht, ob es eher verwirrt oder doch hilfreich ist. Vielleicht sollte man, weil es doch immer wieder auftaucht, den Unterschied der klassischen Definition von GH (Erdalkaliionen), KH, und permanenter Härte, sowie den Begriff Säurebindingsvermögen noch erläutern!

Ork
06.02.2004, 10:07
Hallo Anton,

dieser Beitrag war sehr hilfreich. Entlich mal in einfachen Worten beschrieben, was Gesamthärte, Karbonathärte und Leitwert ausmacht, wie sie beeinflußt werden können und was man aus den einzelnen Meßergebnissen an Informationen herausholen kann.
In vielen Fachbüchern ist dies sehr kompliziert geschrieben. Um das Verständnis noch zu erhöhen, würd ich mich freuen, wenn Du im letzten Abschnitt nocheinmal darauf hinweist, das nur die Gesamthärte Einfluß auf den Leitwert hat. Du schreibst zwar vom Härtegradeinfluß von 30 Mikrosimens pro Zentimeter, es kommt aber nicht so deutlich rüber ob damit ein Härtegrad der Gesamthärte oder der Karbonathärte gemeint ist.
Ansonsten bin ich Dir sehr dankbar für diese einleuchtende Erklärung.

Aurum
06.02.2004, 10:43
Hallo Anton!

Danke für den Beitrag! =D>


Aber wie ist denn jetzt der tatsächliche Zusammenhang zwischen KH, pH und CO2-Gehalt im Aquariumwasser? :-k

Ich bin ja so brutal und senke KH stark und pH etwas durch Zugabe von Salzsäure ins Aquarium während des Wasserwechsels (genau gesagt, beim Wiederbefüllen). Die Zugabe erfolgt heute von mir nur noch rein nach Gefühl (also ohne ständiges Kontrollmessen) und nach ein paar Stunden checke ich pH- und KH-Werte, die dann routinemäßig meist so sind, wie ich sie mir vorstelle.
Dem genauen Zusammenhang habe ich aber ehrlich gesagt nie richtig verstanden. Ich weiß, daß die Salzsäure mit Hydrogencarbonat reagiert (wobei CO2 frei wird), das als Puffer wirkt und daher der pH nur gering abfällt (zumindest solange nicht KH=0 ist).
Gibt es denn eine wirklich brauchbare Formel, die ich zur Berechnung der tatsächlich notwendigen Säuremenge verwenden kann, um die KH auf einen bestimmten Wert zu senken?

Liebe Grüßle
von Aurum! http://www.uni-ulm.de/~dgroll/pferd.gif

Helga
06.02.2004, 13:20
Hallo Anton!

Ich gratuliere zu Deinem Beitrag und ziehe den Hut! =D>

Mit so einfachen und verständlichen Worten hab ich das auch noch nicht zu lesen bekommen. Ich beschäftige mich mit den Werten und den Zusammenhängen eher nur am Rande und dann, wenn es gilt für eine Fischart ein spezielles "Zuchtwasser" herzustellen.

Ich hoffe, Deine Ergüsse in dieser Richtung mögen nie versiegen und ewig weiter sprudeln... DANKE!

Gruß
Helga

Knut
06.02.2004, 15:43
Hallo,
ich hatte ja gepostet, dass es meiner Ansicht nach einer Ergänzung zu Antons Artikel bedarf, da einige Begriffe immer wieder verwendet werden die ebenfalls dazu gehören.

1. Gesamthärte, GH
Die Gesamthärte ist die Summe aller im Wasser gelösten Erdalkaliionen.
Im wesentlichen sind das, wie Anton geschrieben hat Magnesium und Calcium, diese werden auch mit unseren aquaristischen Tets erfasst.

2. Karbonathärte; KH
Dies ist der Teil der GH, die beim Kochen als Kalk ausfällt, nämlich die Karbonate. Auch als temporäre Härte bezeichnet.
Übrig bleiben dann alle anderen (Erdalkali)Ionen, auch als permanente Härte bezeichnet.

Daraus folgt:
GH = KH + permanente Härte.

Unsere aquaristischen KH Tests erfassen nun aber nicht nur die in der KH enthaltenen Karbonate sondern alle Karbonate, wie z.B. Natriumkarbonat und andere.
Alle Karbonate wirken am Puffersystem KH, CO2 pH mit.
Deshalb bezeichnet man dieses auch als Säurebindungsvermögen SBV.

Damit wird auch klar, warum die gemesene KH auch größer sein kann als die GH!

Anton_Gabriel
08.02.2004, 14:43
Hallo Aurum,

Hatte in Erinnerung, dass da noch eine Antwort fehlt:

eine 1/10 normale Salzsäure (etwa über 0,3 -prozentig) löst 2,8 Grad Karbonathärte in 100 Milliliter Wasser auf >>> jetzt kannst Dir jede beliebige Kombination ausrechenen.

Schöne Grüße, Anton Gabriel

Aurum
08.02.2004, 15:25
Toni:

Ahaaa, vielen Dank erstmal für deine Antwort! :- )

Ich werd' bei Gelegenheit mal nachrechnen, ob das bei mir ungefähr hinkommt. :crazy:

Eind Frage noch: Woher hast du die Umrechnung? Selbst gemessen?


Liebe Grüßle

von Aurum! :wave:

Anton_Gabriel
08.02.2004, 15:43
Hallo,

Ist die Grundlage der KH-Bestimmung -in jedem Buch über Analytik zu finden.

Schöne Grüße, Anton Gabriel

Aurum
08.02.2004, 15:47
Hehe, voll dabei ertappt worden, sowas nie gelesen zu haben, peinlich! :oops:

Kann ich mich retten, indem ich sage, daß ich kein Analytiker bin? Überhaupt steht in meinem Abkürzungsjargon "KH" für Kohlenhydrate ... :mrgreen:

:wave:

Anton_Gabriel
08.02.2004, 16:01
Hi :-)

Brauchst auch nicht lesen, ausser bist so ein Freak wie ich ;-)

Schöne Grüße, Anton Gabriel

Rainer
08.02.2004, 16:03
@aurum

dein HCL Panscherei in allen Ehren, aber ich wär da vorsichtiger. Ein Tool zur Berechnung findest du bei Olaf

http://www.deters-ing.de/Berechnungen/Berechnungen.htm#HCL

Aber ich geh mal davon aus, das du weißt was du dort tust. Nicht ganz unerheblich finde ich die Bildung von CO² bei HCL Verschnitt. Da ich ein chemischer Tiefflieger bin, kann ich das natürlich nicht errechnen. Aber ich denke du solltest das hinkriegen.

Aurum
08.02.2004, 16:12
Danke, Rainer!

Die Homepage von Olaf Deters kenne ich natürlich (was nicht heißt, daß ich auch alles verstehe, was dort steht). Aber zur Beruhigung: Ich bin vorsichtig bei der HCl-Panscherei. Ein kleines Loch im Teppich reicht mir, zu Verlusten von Fischen muß es erst gar nicht kommen. Die HCl-Zugabe erfolgt langsam (über Stunden) und aus einer stark verdünnten Lösung; dabei wird das gesamte Aquarienwasser extrem stark belüftet (CO2-Austrieb).


:wave:

Alex
08.02.2004, 17:34
Hi!
@anton: boah... :shock: möcht das auhc so können wie du!
@aurum: was machst du mit HCL? werte senken? :oops:

Aurum
08.02.2004, 18:58
Alex, s.o. (4. Beitrag in diesem Thread). :-)

Uwe
08.02.2004, 20:24
Hallo Anton,

bezüglich der Formel 1 GH = ca. 30 µs/cm:

Ich habe lt. Tröpfchentest einen KH von2, einen GH von 2,5 (das Wasser ist mit einer UOA selbst zusammengpanscht) und messe in diesem Wasser sowohl im frischen als auch im "gebrauchten" (1 Woche im AQ) einen Leitwert von 150 µs/cm. Wie kann das kommen?

Anton_Gabriel
08.02.2004, 20:37
Hallo Uwe,

Weil dieser Richtwert bei geringen Härten meist schlecht vergleichbar ist, da der pH-Wert und alle anderen Salze ebenso auf die Leitfähigkeit Einfluss haben > die etwas über 30 Stimmen nur bei exakt pH7 und exakt nur Härte (keine anderen Salze) ..

Schöne Grüße, Anton Gabriel

Ork
06.06.2004, 11:22
Hallo Anton,

ich besitze jetz seit kurzen ein Leitwertmessgerät und bin on den gemessenen Werten sehr erstaunt. Vielleicht kannst Du mir etwas helfend unter die Arme greifen und mich "auf Linie" bringen.

Mein Leitungswasser hat einen Ausgangswert von 337 µs. Bei einer GH von 10 °dGH ist dies also ein korrekter Anzeigewert. In einem meiner AQ messe ich 740 µs !!! und kann mir das Zustandekommen garnicht erklären. Mit meinen Wassertest habe ich keine Absonderheiten im AQ-Wasser feststellen können und viele haben mit Sicherheit ähnliche Werte:

GH- 10; KH- 4; O2- 6,0 mg/l (früh); CU- 0 mg/l; Fe- 0,1 mg/l; NH3- 0 mg/l; NH4- 0 mg/l; NO2- 0 mg/l; NO3- 20 mg/l; PO4- 0,5 mg/l; pH- 7,1; CO2- 10 mg/l (Düngung); Temp. 24 °C

sollte denn dieser meiner Meinung nach doch normale Mix an Wasserschadstoffen so gravierend auf den Leitwert Einfluß nehmen oder könnten sich auf den Leitwert noch andere Stoffe in solchem Umfang auswirken, die ich messtechnisch nicht erfassen konnte? Bisher habe ich wöchentlich Wasser gewechselt, werd aber in der nächsten Zeit mal häufiger Wasser wechseln (Wegen Sommertemp.). Dieser Wert verunsichert mich etwas, da ich bei meinen anderen AQ nur 530 und 610 µs messe, obwohl ich für diese den gleichen Pflegeaufwand betreibe.

Anton_Gabriel
06.06.2004, 12:14
Hallo Ork,

Glaube ich dir aufs Wort deine Werte! Deswegen habe ich zuweilen auch schon propagiert, dass der Leitwert über die Wasserqualität mehr aussagt als andere Wasserwerte wie Härte etc. !

Gebe da einen Leitsatz des Altmeisters Hückstedt an:

Dreck bleibt Dreck auch wenn man ihh nicht sieht!
und ich ergänz noch: auch wenn man ihn nicht messen kann.

Beim Leitwert bitte beachten:

1.) Abhängig von der Temperatur (Leitungswasser ist meist kalt)
2.) Abhängig vom pH-Wert
3.) Abhängig von einigen Salzen (z.B. Natrium und Chloride) die nicht mit den üblichen Reagenzien genmessen werden können.

Im Kosmos Handbuch Aquarienkunde ist ein Versuch beschrieben, wo in einem 300 LietrAquarium 25 Fische und 6 Amazonasschwertpflanzen gehalten wurden und nach etwa 3 Wochen sich der Leitwert verdoppelt hat >>> das heisst, bei den so 25 Prozent Wasserwechsel alle 2 Wochen oder so ist die Tendenz des Leitwerts weiter steigend ...

Schöne Grüße, Anton

Ork
06.06.2004, 13:32
Hallo Anton,

danke für deine Antwort. Das mit dem Experiment im Kosmoshandbuch ist sehr aufschlußreich, besonders da scheinbar kein Ende der Aufschaukelung zu erkennen ist. Für mich heißt das, dass ich aller 2 Monate mal einen WW von 75 % machen werde. Ich denke, dass sich so auf Dauer ein Leitwert von 500 - 550 µs einpegelt (die Zeitwird es zeigen).