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06.03.2008, 06:31
Hallo,
Vielleicht hat der eine oder andere von euch vor Kurzem den Film "Darwins Alptraum" gesehen und hat von daher schon einen Eindruck, was im Viktoriasee vor sich geht. Falls nicht, zunächst nur im Telegrammstil:
Im Viktoriasee lebten bis zu 1000 Buntbarscharten. Seit aber in den 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts der Nilbarsch in dem See ausgesetzt wurde, hat der unter den einheimischen Cichliden fürchterlich gewütet und einen großen Teil der Arten vernichtet.
Als Wissenschaftler auf diese Tragödie aufmerksam wurden, hatte man einige Dutzend Arten zu Forschungszwecken nach Europa gebracht. Von den damals importierten Arten gibt es im See inzwischen mehrere Arten gar nicht mehr und die andren nur noch in Restpopulationen.
Die Nachkommen dieser Arten schwimmen heute in den Aquarien der Liebhaber. Weitere größere Importe wurden bisher nicht registriert. Das heißt, dass alle hier lebenden Viktorias relativ selten sind.
Im letzten Jahr mussten leider einige Viktoria-Fans aus beruflichen oder privaten Gründen ihre Zuchten auflösen. Einige Arten wurden an andere Liebhaber weitergegeben, einige verschwanden ganz. Inzwischen ist die Zahl derer, die Viktorias pflegen, alarmierend gering geworden. Und wenn man von 60 - 80 Arten ausgeht, die es früher hier gab, kann man sich ausrechnen, dass viele der Arten in der nächsten Zeit aus unseren Aquarien verschwinden.
Der Viktoriasee ist mit seinen 68 000 km² Ausdehnung ( etwa so groß wie Bayern ), einer der größten Seen der Erde. Im Gegensatz zum Malawisee oder dem Tanganjikasee, die ungefähr südlich von ihm liegen, ist der See nur bis 82 m tief.
In seiner Entwicklungsgeschichte hat er mehrfach seine Form verändert, und vor 12000 Jahren war er sogar völlig ausgetrocknet.
Bis heute oder besser gesagt bis zum Ende des letzten Jahrhunderts konnte man über 900 Cichlidenarten im See nachzuweisen.
Das bedeutet, dass die Entwicklungsgeschichte von Lebewesen, die man im Allgemeinen mit Hunderttausenden bis Millionen von Jahren veranschlagt, unter bestimmten Umständen viel schneller vonstatten gehen kann.
Von daher ist der Viktoriasee für Naturwissenschaftler äußerst interessant. Einige Universitäten haben sich dieser Thematik angenommen und forschen seit den 80er Jahren am See und in ihren Instituten. Dazu gehört auch die Universität in Leiden / NL. Ihr verdanken wir es hauptsächlich, dass wir Aquarianer an Cichliden aus dem See gekommen sind. Denn einen Teil der Tiere, die zu Forschungszwecken in die Universität gelangten, wurden, wenn sie nicht mehr benötigt wurden, Aquarianern zugänglich gemacht, in der Hoffnung, dass sie als Aquarienpopulationen erhalten bleiben.
Mir wurden sogar Tiere übergeben mit der Maßgabe, dass ich sie wieder abgeben müsste, falls die Universität sie noch einmal benötigte. Man legte von Seiten der Universität Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Aquarianern.
Kommerzielle Einfuhren aus dem See sind mir nicht bekannt.
Zu der Zeit, in der sich die Wissenschaftler für das Leben im See interessierten, war das Artensterben schon im vollen Gange. Man hatte sich als Forschungsfeld den Mwanza-Golf ausgesucht, einen südlichen Ausläufer des Sees. Weitere Forschungen fanden im Speke-Golf im südöstlichen Teil des Sees statt.
In diesen beiden Gewässerteilen wurden noch eine größere Anzahl verschiedener Cichlidenarten angetroffen, die es in vielen anderen Regionen des Sees schon nicht mehr gab.
Die Forschungen in Leiden gehen ihrem Ende entgegen, an anderen Universitäten, zB. in Japan oder USA wird weiter geforscht.
Die Kathastrophen
Zwischen 1950 und 1960 wurden von der Fischereibehörde Kenias Nilbarsche (Lates niloticus) im Viktoriasee ausgesetzt, um die Fischerei effektiver zu machen. Der Nilbarsch, der eine Größe von 1,80 m und ein Gewicht von 200 kg erreichen kann, sollte den wirtschaftlichen Aufschwung der Region in die Wege leiten.
Viele Jahre fiel diese Fischart im See nicht weiter auf bis man plötzlich in den 80er Jahren eine explosionsartige Vermehrung des Lates feststellen musste. Im gleichen Maße verschwanden aber auch viele der einheimischen Buntbarscharten. Vor allem von den Arten, die für diesen Barsch leicht erreichbar waren, die Bewohner des Freiwassers, überlebten kaum welche.
So haben von über 120 fischfressenden Arten nur knapp fünf überlebt. Die größte davon, der Harpagochromis "Orange Rock Hunter" ist aber nur noch an einer einzigen kleineren Felseninsel mit Namen Gabalema Island zu finden.
Auch in viele andere Lebensräume ist der Nilbarsch eingedrungen und hat dort für das Verschwinden der Arten gesorgt. Lediglich an unzugänglichen Felseninseln konnten sich Arten erhalten.
Aber auch diese Lebensräume sind bedroht. Denn hier, wo das Fischen noch Erfolg verspricht, haben sich die Einheimischen auf die Giftfischerei spezialisiert. Und dieser Fangmethode fallen alle Altersstufen der Haplochromiden zum Opfer.
Der Nilbarsch ist für die Einheimischen allerdings nicht zum Segen geworden. Bedingt durch seine Größe und Kraft ist es den Seebewohnern kaum möglich, mit ihren einfachen Fischnetzen diese Tiere zu fangen. Große Konzerne haben diese Aufgabe übernommen und fangen mit modernem Fischereigerät in großem Stil diesen Barsch. Die Einheimischen arbeiten für die Konzerne, haben aber zu wenig Geld, sich diesen Fisch selbst leisten zu können. Sie müssen von den Fischresten leben, die die Fischfabriken am See nicht verwerten können. Aber auch dafür reicht ihr Einkommen oft nicht.
Der Nilbarsch ist sehr fett und lässt sich nicht, wie die Haplochromiden, einfach an der Sonne trocknen und auf diese Weise haltbar machen. Man muss ihn räuchern. Dazu braucht man Brennmaterial. Die Folge davon ist, dass weite Teile des Umlandes abgeholzt und versteppt sind. Dies wiederum bedroht die Existenz der Landbevölkerung.
Keine Bepflanzung mehr bedeutet auch, dass der Boden rund um den See nicht mehr von Wurzelwerk gehalten wird. Und so werden bei kräftigen Regenfällen große Mengen Erdreich in den See gespühlt. Das wiederum macht den See in den ufernäheren Bereichen zu einer fast undurchsichtigen "Brühe". Diese erschwert es den dort lebenden Fischen, den richtigen Fortpflanzungspartner zu finden. Denn schon kurz unterhalb der Wasseroberfläche werden einige Farben des Lichtspektrums von der Wassertrübung geschluckt. Die fortpflanzungswilligen Weibchen erkennen nicht mehr sicher ihre Geschlechtspartner und laichen leicht mit Männchen einer anderen Art ab. So kommt es zu Hybridisierungen oder, wenn man so will, zur Ausbildung neuer Arten.
Das wohl eher unbeabsichtigte Einbringen der Wasserhyazinthe (Eichhornia crassiceps) hatte ebenfalls ungeahnte Folgen. Diese Schwimmpflanze, die eigentlich in Amerika zu Hause ist, vermehrte sich im See zu unglaublich großen undurchdringlichen Teppichen, die selbst die Schifffahrt blockierten.
Sie verhinderte den Sauerstoffaustausch des Wassers und sorgte dafür, dass kein Licht auf den Seegrund gelangte. Dies wiederum verhinderte Algenwachstum und damit die Nahrungsgrundlage vieler Organismen im See. Wo diese Teppiche auftraten, starb der See ab. Mittlerweile versucht man durch die Einbringung eines Käfers, der sich ausschließlich von dieser Schwimmpflanze ernährt, dem Wachstum der Wasserhyazinthe Einhalt zu gebieten.
Die Lebensräume
Der Viktoriasee bietet viele Lebensräume. Und so konnten sich in den letzten 12000 Jahren sehr viele Arten entwickeln, die sich auf die verschiedenste Weise ihre Nahrung beschafften. Es gab Fischfresser, Pflanzenfresser, Algenschaber, Garnelen-und Krabbenfresser, Insektenfresser, Pädophagen, Schneckenschäler und Schneckensprenger,
Parasitenfresser, Phyotplankton- und Zooplanktonfresser.
Die Felsenküsten
An den felsigen Küsten leben die artenreichsten Cichlidengesellschaften des Sees. Ähnlich den Mbunas des Malawisees ernährten sich viele Arten von dem, was auf den Felsen wächst.
Je nach Wassertiefe fand man auf diese Tiefe spezialisierte Arten.
Algenschaber fand man nahe der Wasseroberfläche und in lichtärmeren und tieferen Bereichen Arten, die sich von Moostierchen ernährten, die von den Felsen geschabt wurden.
Zwischen den Gesteinsformationen und in den Felsspalten jagten Insekten- Krabben- und Fischjäger nach Futter.
Die Felsküsten boten aber auch solchen Arten Schutz, die sich rings um die Felsen im offenen Wasser von Plankton ernährten.
Die Hornkrautwiesen
In den ruhigeren Buchten des Sees findet man Horn- und Nixkrautwiesen, die von epiphytischen Algenschabern bewohnt waren. Sie waren durch ihre besondere Bezahnung in der Lage, Algen von den Pflanzen zu schaben und hielten sie dadurch algenfrei.
Andere ernährten sich von den Pflanzen selbst, wieder andere von den Eiern, die Insekten an den Pflanzen ablegten, andere von deren Larven.
Schnecken wurden von Schneckenfressern gefressen.
Diese Fischbestände wurden weniger durch den Nilbarsch als durch Überfischung und Umweltveränderungen in Mitleidenschaft gezogen.
Die Sandküsten
An den flachen und steiler abfallenden Sandküsten lebten Insektenfresser und Schneckenfresser. Vor allem die in tieferen Regionen lebenden Arten wurden Opfer des Nilbarsches.
Die Schlammböden
In vielen Bereichen des Sees ist der Grund schlammig und reicht teilweise bis ins Flachwasser. Hier lebten Schneckenfresser, Zooplanktonfresser, Garnelenfresser und Parasitenfresser. Durch Einwirkung des Nilbarsches starben ganze trophische Gruppen aus.
Das Freiwasser
Im Freiwasser lebten viele Zooplanktonfresser und Fische, die sich von ihnen ernährten. Von diesen haben kaum Arten überlebt.
Die Arten
Die Cichliden des Viktoriasees gehören, je nach Autor, folgenden Familien an:
Astatoreochromis, Astatotilapia, Haplochromis, Harpagochromis, Labrochromis, Lipochromis, Lithochromis Macropleurodus, Mbipia, Neochromis, Oreochromis, Paralabidochromis, Platytaeniodus, Prognathochromis, Psammochromis, Pseudocrenilabrus, Ptyochromis, Pundamilia, Xystichromis und Yssichromis.
Fortsetzung folgt
mit freunlichen Grüßen
Axel aus dem www.cichlidenwelt.de (http://www.cichlidenwelt.de/)
Vielleicht hat der eine oder andere von euch vor Kurzem den Film "Darwins Alptraum" gesehen und hat von daher schon einen Eindruck, was im Viktoriasee vor sich geht. Falls nicht, zunächst nur im Telegrammstil:
Im Viktoriasee lebten bis zu 1000 Buntbarscharten. Seit aber in den 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts der Nilbarsch in dem See ausgesetzt wurde, hat der unter den einheimischen Cichliden fürchterlich gewütet und einen großen Teil der Arten vernichtet.
Als Wissenschaftler auf diese Tragödie aufmerksam wurden, hatte man einige Dutzend Arten zu Forschungszwecken nach Europa gebracht. Von den damals importierten Arten gibt es im See inzwischen mehrere Arten gar nicht mehr und die andren nur noch in Restpopulationen.
Die Nachkommen dieser Arten schwimmen heute in den Aquarien der Liebhaber. Weitere größere Importe wurden bisher nicht registriert. Das heißt, dass alle hier lebenden Viktorias relativ selten sind.
Im letzten Jahr mussten leider einige Viktoria-Fans aus beruflichen oder privaten Gründen ihre Zuchten auflösen. Einige Arten wurden an andere Liebhaber weitergegeben, einige verschwanden ganz. Inzwischen ist die Zahl derer, die Viktorias pflegen, alarmierend gering geworden. Und wenn man von 60 - 80 Arten ausgeht, die es früher hier gab, kann man sich ausrechnen, dass viele der Arten in der nächsten Zeit aus unseren Aquarien verschwinden.
Der Viktoriasee ist mit seinen 68 000 km² Ausdehnung ( etwa so groß wie Bayern ), einer der größten Seen der Erde. Im Gegensatz zum Malawisee oder dem Tanganjikasee, die ungefähr südlich von ihm liegen, ist der See nur bis 82 m tief.
In seiner Entwicklungsgeschichte hat er mehrfach seine Form verändert, und vor 12000 Jahren war er sogar völlig ausgetrocknet.
Bis heute oder besser gesagt bis zum Ende des letzten Jahrhunderts konnte man über 900 Cichlidenarten im See nachzuweisen.
Das bedeutet, dass die Entwicklungsgeschichte von Lebewesen, die man im Allgemeinen mit Hunderttausenden bis Millionen von Jahren veranschlagt, unter bestimmten Umständen viel schneller vonstatten gehen kann.
Von daher ist der Viktoriasee für Naturwissenschaftler äußerst interessant. Einige Universitäten haben sich dieser Thematik angenommen und forschen seit den 80er Jahren am See und in ihren Instituten. Dazu gehört auch die Universität in Leiden / NL. Ihr verdanken wir es hauptsächlich, dass wir Aquarianer an Cichliden aus dem See gekommen sind. Denn einen Teil der Tiere, die zu Forschungszwecken in die Universität gelangten, wurden, wenn sie nicht mehr benötigt wurden, Aquarianern zugänglich gemacht, in der Hoffnung, dass sie als Aquarienpopulationen erhalten bleiben.
Mir wurden sogar Tiere übergeben mit der Maßgabe, dass ich sie wieder abgeben müsste, falls die Universität sie noch einmal benötigte. Man legte von Seiten der Universität Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Aquarianern.
Kommerzielle Einfuhren aus dem See sind mir nicht bekannt.
Zu der Zeit, in der sich die Wissenschaftler für das Leben im See interessierten, war das Artensterben schon im vollen Gange. Man hatte sich als Forschungsfeld den Mwanza-Golf ausgesucht, einen südlichen Ausläufer des Sees. Weitere Forschungen fanden im Speke-Golf im südöstlichen Teil des Sees statt.
In diesen beiden Gewässerteilen wurden noch eine größere Anzahl verschiedener Cichlidenarten angetroffen, die es in vielen anderen Regionen des Sees schon nicht mehr gab.
Die Forschungen in Leiden gehen ihrem Ende entgegen, an anderen Universitäten, zB. in Japan oder USA wird weiter geforscht.
Die Kathastrophen
Zwischen 1950 und 1960 wurden von der Fischereibehörde Kenias Nilbarsche (Lates niloticus) im Viktoriasee ausgesetzt, um die Fischerei effektiver zu machen. Der Nilbarsch, der eine Größe von 1,80 m und ein Gewicht von 200 kg erreichen kann, sollte den wirtschaftlichen Aufschwung der Region in die Wege leiten.
Viele Jahre fiel diese Fischart im See nicht weiter auf bis man plötzlich in den 80er Jahren eine explosionsartige Vermehrung des Lates feststellen musste. Im gleichen Maße verschwanden aber auch viele der einheimischen Buntbarscharten. Vor allem von den Arten, die für diesen Barsch leicht erreichbar waren, die Bewohner des Freiwassers, überlebten kaum welche.
So haben von über 120 fischfressenden Arten nur knapp fünf überlebt. Die größte davon, der Harpagochromis "Orange Rock Hunter" ist aber nur noch an einer einzigen kleineren Felseninsel mit Namen Gabalema Island zu finden.
Auch in viele andere Lebensräume ist der Nilbarsch eingedrungen und hat dort für das Verschwinden der Arten gesorgt. Lediglich an unzugänglichen Felseninseln konnten sich Arten erhalten.
Aber auch diese Lebensräume sind bedroht. Denn hier, wo das Fischen noch Erfolg verspricht, haben sich die Einheimischen auf die Giftfischerei spezialisiert. Und dieser Fangmethode fallen alle Altersstufen der Haplochromiden zum Opfer.
Der Nilbarsch ist für die Einheimischen allerdings nicht zum Segen geworden. Bedingt durch seine Größe und Kraft ist es den Seebewohnern kaum möglich, mit ihren einfachen Fischnetzen diese Tiere zu fangen. Große Konzerne haben diese Aufgabe übernommen und fangen mit modernem Fischereigerät in großem Stil diesen Barsch. Die Einheimischen arbeiten für die Konzerne, haben aber zu wenig Geld, sich diesen Fisch selbst leisten zu können. Sie müssen von den Fischresten leben, die die Fischfabriken am See nicht verwerten können. Aber auch dafür reicht ihr Einkommen oft nicht.
Der Nilbarsch ist sehr fett und lässt sich nicht, wie die Haplochromiden, einfach an der Sonne trocknen und auf diese Weise haltbar machen. Man muss ihn räuchern. Dazu braucht man Brennmaterial. Die Folge davon ist, dass weite Teile des Umlandes abgeholzt und versteppt sind. Dies wiederum bedroht die Existenz der Landbevölkerung.
Keine Bepflanzung mehr bedeutet auch, dass der Boden rund um den See nicht mehr von Wurzelwerk gehalten wird. Und so werden bei kräftigen Regenfällen große Mengen Erdreich in den See gespühlt. Das wiederum macht den See in den ufernäheren Bereichen zu einer fast undurchsichtigen "Brühe". Diese erschwert es den dort lebenden Fischen, den richtigen Fortpflanzungspartner zu finden. Denn schon kurz unterhalb der Wasseroberfläche werden einige Farben des Lichtspektrums von der Wassertrübung geschluckt. Die fortpflanzungswilligen Weibchen erkennen nicht mehr sicher ihre Geschlechtspartner und laichen leicht mit Männchen einer anderen Art ab. So kommt es zu Hybridisierungen oder, wenn man so will, zur Ausbildung neuer Arten.
Das wohl eher unbeabsichtigte Einbringen der Wasserhyazinthe (Eichhornia crassiceps) hatte ebenfalls ungeahnte Folgen. Diese Schwimmpflanze, die eigentlich in Amerika zu Hause ist, vermehrte sich im See zu unglaublich großen undurchdringlichen Teppichen, die selbst die Schifffahrt blockierten.
Sie verhinderte den Sauerstoffaustausch des Wassers und sorgte dafür, dass kein Licht auf den Seegrund gelangte. Dies wiederum verhinderte Algenwachstum und damit die Nahrungsgrundlage vieler Organismen im See. Wo diese Teppiche auftraten, starb der See ab. Mittlerweile versucht man durch die Einbringung eines Käfers, der sich ausschließlich von dieser Schwimmpflanze ernährt, dem Wachstum der Wasserhyazinthe Einhalt zu gebieten.
Die Lebensräume
Der Viktoriasee bietet viele Lebensräume. Und so konnten sich in den letzten 12000 Jahren sehr viele Arten entwickeln, die sich auf die verschiedenste Weise ihre Nahrung beschafften. Es gab Fischfresser, Pflanzenfresser, Algenschaber, Garnelen-und Krabbenfresser, Insektenfresser, Pädophagen, Schneckenschäler und Schneckensprenger,
Parasitenfresser, Phyotplankton- und Zooplanktonfresser.
Die Felsenküsten
An den felsigen Küsten leben die artenreichsten Cichlidengesellschaften des Sees. Ähnlich den Mbunas des Malawisees ernährten sich viele Arten von dem, was auf den Felsen wächst.
Je nach Wassertiefe fand man auf diese Tiefe spezialisierte Arten.
Algenschaber fand man nahe der Wasseroberfläche und in lichtärmeren und tieferen Bereichen Arten, die sich von Moostierchen ernährten, die von den Felsen geschabt wurden.
Zwischen den Gesteinsformationen und in den Felsspalten jagten Insekten- Krabben- und Fischjäger nach Futter.
Die Felsküsten boten aber auch solchen Arten Schutz, die sich rings um die Felsen im offenen Wasser von Plankton ernährten.
Die Hornkrautwiesen
In den ruhigeren Buchten des Sees findet man Horn- und Nixkrautwiesen, die von epiphytischen Algenschabern bewohnt waren. Sie waren durch ihre besondere Bezahnung in der Lage, Algen von den Pflanzen zu schaben und hielten sie dadurch algenfrei.
Andere ernährten sich von den Pflanzen selbst, wieder andere von den Eiern, die Insekten an den Pflanzen ablegten, andere von deren Larven.
Schnecken wurden von Schneckenfressern gefressen.
Diese Fischbestände wurden weniger durch den Nilbarsch als durch Überfischung und Umweltveränderungen in Mitleidenschaft gezogen.
Die Sandküsten
An den flachen und steiler abfallenden Sandküsten lebten Insektenfresser und Schneckenfresser. Vor allem die in tieferen Regionen lebenden Arten wurden Opfer des Nilbarsches.
Die Schlammböden
In vielen Bereichen des Sees ist der Grund schlammig und reicht teilweise bis ins Flachwasser. Hier lebten Schneckenfresser, Zooplanktonfresser, Garnelenfresser und Parasitenfresser. Durch Einwirkung des Nilbarsches starben ganze trophische Gruppen aus.
Das Freiwasser
Im Freiwasser lebten viele Zooplanktonfresser und Fische, die sich von ihnen ernährten. Von diesen haben kaum Arten überlebt.
Die Arten
Die Cichliden des Viktoriasees gehören, je nach Autor, folgenden Familien an:
Astatoreochromis, Astatotilapia, Haplochromis, Harpagochromis, Labrochromis, Lipochromis, Lithochromis Macropleurodus, Mbipia, Neochromis, Oreochromis, Paralabidochromis, Platytaeniodus, Prognathochromis, Psammochromis, Pseudocrenilabrus, Ptyochromis, Pundamilia, Xystichromis und Yssichromis.
Fortsetzung folgt
mit freunlichen Grüßen
Axel aus dem www.cichlidenwelt.de (http://www.cichlidenwelt.de/)