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Ork
06.04.2004, 20:57
Verlustleistungen am Außenfilterauslass

Ich hinterfragte mich schon seit längerer Zeit die Herstellerangaben von Außenfilterherstel-lern auf deren Verpackungen. Meistens erfährt man auf der Verpackung lediglich die zulässi-ge Förderhöhe, der Stundendurchfluss und die maximal geeignete Beckengröße. Kaum je-mand scheint es zu interessieren, dass diese Angaben jedoch nur für den Idealzustand gelten, also unmittelbar am Filterauslass ohne Schläuche, Ventile, Krümmungen, Filtermedien, etc. Mein Wissens- und Experimentierdrang war geweckt, denn ich wollte einmal wissen, mit welcher Förderleistung ich tatsächlich mein Becken filtere.
Damit interessierte User ebenfalls meine Erkenntnisse aus den Experimenten nutzen können, habe ich mich entschlossen, eine Art Werkzeugtool zusammenzustellen, mit dem jeder selber seinen Verlust durch die Förderleitung am Filterauslass bestimmen kann. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Experimente mit einem „FLUVAL 104“ Außenfilter durchgeführt wur-den. In den Experimenten ging es nur um die Verlustleistungsbestimmung ab den Filteraus-lass, die Filterqualität und Zuverlässigkeit stehen hier nicht zur Debatte. Ich persönlich bin mit diesem Außenfilter sehr zufrieden.
Der Experimentierablauf gestaltete sich in der Form, dass jede Messung 20 s lang durchge-führt wurde. Pro Nachweis wurden mindestens 20 Versuche angestellt. Der Filtereinlass hatte eine Schlauchlänge von 50 cm und befand sich unmittelbar senkrecht darüber (Meine Freun-din möge mir verzeihen, dass ich mehrere Plastikschüsseln mit Löchern versehen habe). Der Außenfilter war leer (keine Filtermedien, Filterkammern). Auch der Wasserspiegel zum Messbeginn wurde konstant gehalten. Somit konnte ich gewährleisten, dass die Ergebnisse auch wirklich nur Verlustleistungen am Außenfilterauslass widerspiegeln (Bild 1). Die fol-genden Diagramme und Werte spiegeln die aus den Experimenten ermittelten Mittelwerte wieder.

http://www.biotop-forum.at/album/data/media/18/Auenfilter_Bild_1.jpg
Bild 1 Versuchsaufbau

Zunächst wurde die Verlustleistung infolge der Förderhöhe bestimmt. Die verwendeten Schlauchleitungen waren neu. Anwendungen kann dieser Fall in allen Aquarienpyramiden mit Überlauf finden. Das Bild 2 soll dies einmal schematisch verdeutlichen. Das Diagramm 1 zeigt den Förderstrom über der Förderhöhe (hierin ist ein Verlustanteil infolge der Schlauch-länge enthalten, die hier nicht separat ermittelt werden konnte). Man erkennt deutlich, wie mit zunehmender Förderhöhe die Förderleistung abnimmt. Leider zwang mich meine Wohnungs-höhe, diese Experimente nur bis zu einer Förderhöhe von 170 cm durchzuführen. Anhand dieses Diagramms kann jeder seine Filterstromverringerung über der vorliegenden Höhendif-ferenz h zwischen Filtereinlass und Filterauslass bestimmen.

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Bild 2 Aquarienpyramide

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Diagramm 1 Verlustleistung über der Förderhöhe

Wie schon erwähnt gilt dieses Diagramm für einen „Fluval 104“, der mit einer maximalen Förderhöhe (= Differenz zwischen Einlass und Auslass) von 180 cm und einem Ideallfil-terstrom von 480 l/h angegeben ist. Filter, die in etwa diesen Angaben entsprechen sollten ein ähnliches Verhalten aufweisen. Von der Verlustleistung her wird sich bei allen Außenfiltern grundlegend kein stark abweichender Verlauf einstellen. Eine Parabelform werden alle Filter aufweisen, die jedoch abhängig von der Stundenleistung und der maximalen Förderhöhe von den hier aufgezeigten %-Werten variieren. Jedoch bin ich der Auffassung, dass man die hier dargestellten Verlustleistungswerte in % als Richtwerte nutzen kann.
Zu beachten ist, dass dieses Diagramm 1 nur für den Fall anwendbar ist, dass eine Differenz zwischen Einlass und Auslass am Filter vorliegt. Liegt keine Differenz vor, ist die Wassersäu-le im Schlauch am Einlass gleich der Wassersäule im Schlauch am Auslass. Hier sind die Verlustleistungen deutlich geringer, da „lediglich“ das Gewicht der anzuhebenden Wassersäu-le + der Reibung im Schlauch am Auslass gegen die Pumpenergie wirken (bei leerem Filter-gehäuse gleichen sich die Wasserspiegel Auslass – Einlass – Schüssel an). Es war mir auch hier nicht möglich, diese beiden Verlustleistungsanteile separat zu ermitteln, weswegen die ermittelte Verlustleistung (hier bezeichnet als „Einfluss durch die Gesamtfördehöhe“) im Dia-gramm 2 diese beiden Anteile enthält. In der weiteren Versuchsdurchführung wurde dazu die Förderhöhe variiert und Ein- bzw. Auslass in gleicher Höhe gehalten (Dafür musste eine zweite Schüssel dran glauben, vergleich Bild 1). Es wurden neue Schläuche verwendet, die möglichst ohne Krümmungen senkrecht gehalten wurden. Anhand des Diagramms 2 kann man den Einfluss der Gesamtförderhöhe auf den Verlustanteil in % erkennen.

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Diagramm 2 Verlustleistung infolge der Gesamtförderhöhe

Als dritter entscheidender Versuch habe ich die Förderleitung möglichst waagerecht gehalten, um den Anteil der reinen Verlustleistung durch die Länge der Schlauchleitung zu bestimmen. Dabei musste ich am Auslass eine 90° Krümmung im Schlauch provozieren, da ich ansonsten den Filter hätte hinlegen müssen. Ich habe aber darauf geachtet, dass ein möglichst großer Radius vorliegt, um die Verlustleistung infolge des Rückstaus durch die Krümmung in der Leitung so gering wie möglich zu halten. Wichtig ist diese Versuchsergebnis für alle Aqua-rien, wo der Filter in einiger Entfernung waagerecht zum Becken steht und somit zwar eine geringe Gesamtförderhöhe überwinden muss, dafür aber eine lange Schlauchleitung benötigt. Um nicht zuviel Schlauch zu opfern, habe ich mich auf die bekannte Schlauchlänge von 170 cm beschränkt, gestartet bin ich mit 50 cm (übrigens musste die dritte Schüssel dran glauben, da ich seitwärts ein Loch benötigte). Das Diagramm 3 zeigt hierfür die ermittelte Verlustleistung.

http://www.biotop-forum.at/album/data/media/18/Diagramm_3.jpg
Diagramm 3 Verlustleistung infolge der Schlauchlänge

Als nächstes habe ich mich noch um weitere Verlustleistungen infolge unterschiedlicher Komponenten im Filterauslass bemüht. Auch hierfür wurden wieder mindestens 20 Versuche gestartet und dann der Mittelwert gebildet. Die nachstehenden Fotos zeigen jeweils das Ele-ment + die zu erwartende Verlustleistung in %.

http://www.biotop-forum.at/album/data/media/18/106_0660.jpg
Bild 3 90° Krümmung im Schlauch = 3,9 %

http://www.biotop-forum.at/album/data/media/18/106_0661.jpg
Bild 4 180° Krümmung im Schlauch = 8,5 %

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Bild 5 Benutzter Schlauch (8 Monate) bis zu 18 % [Links = benutzt; rechts = neu]

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Bild 6 Durchflussdrosselung = 5,4 %

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Bild 7 90° Bogenelement = 4,2 %

Im folgenden soll noch ein Beispiel verdeutlichen, wie man aus diesen Daten seine Verlust-leistung am Filter infolge des Auslassschlauches bestimmen kann. Bittet beachtet, dass dieser Wert nur als Richtwert fungiert. Jeder der seine Verlustleistung exakt bestimmen will, muss sich einmal die Mühe machen, sein gefördertes Wasser separat aufzufangen und einmal zu messen. Dann braucht man nur noch die ermittelte Durchflussmenge durch die Sollmenge des Filters dividieren (sollte auf der Verpackung stehen) mal 100% und man hat die Verlustleis-tung seiner Filterstrecke.

Beispiel
http://www.biotop-forum.at/album/data/media/18/Verlustleistung.jpg
Bild 8 Beispiel für eine Außenfilterauslassstrecke

Bitte diese Ergebnisse als Richtwerte verstehen. Zum einen besitze ich keine filigrane Messtechnik, um auf dem ml genau zu messen, zum anderen musste ich zum Experimentieren doch mit etlichen Hilsmitteln arbeiten, die nicht leicht zum Handhaben sind. Freundin und ich haben auch nur 4 Hände. Schüsseln halten, Filter beobachten, Uhr schauen, An- und Ausschalten, Katze mit dem Fuß wegschieben, auf Leiter stehen,... War alles nicht so einfach.

Petute
06.04.2004, 21:59
hallo ork

ich gratulier dir zu diesem genialen beitrag und bedanke mich gleichzeitig für die veröffentlichung =D>
ich bin zwar gar kein techniker, aber deine ausführungen und abbildungen sind wirklich anschaulich und leicht verständlich
wir haben zwar nur 5 becken mit aussenfilter betrieben, aber gerade, weil es die größeren becken sind, lohnt es sich über aufstellung des topfes und länge und sauberkeit der schläuche nachzudenken.

ich werd meinen mann deinen artikel lesen lassen - er is mein haustechniker :goofy:

Krypton
10.04.2004, 08:51
Hallo Ork
Super Beitrag
Sehr interessant
Gruß
Fritz

Baumfalke
10.04.2004, 12:29
Hallo Ork,

Erstmal Gratulation zu deinem exquisiten Bericht. =D>=D>=D>

Ich glaube das der Verlustanteil der einzelnen Elementen (Bogen, Schlauchkrümmung usw.) tendenziell gleich sein werden.
Damit man es sich zu nutze machen kann, würde eine Ermittlung der Pumpleistung (ohne Fltermaterialen) vom eigenen Filter die Übereinstimmung vom Hersteller betätigen oder auch nicht. Mit diesen Werten und deinen Mittelwerten dürfte es dann kein Problem sein, den ungefähren Verlust zu berechnen.
Ebenso könnte man mit den Herstellenangaben minus den von dir ermittelten Verlustanteilen (Schlauchlänge, Bogenelemente, Filterdrossel, Krümung) die Stärke des Filter berechnen, den man persöhnlich bräuchte.

Nochmals danke für diesen informativen Bericht.

Rainer
10.04.2004, 18:20
Hallo Ork

=D>

Klasse das du dir die Mühe gemacht hast. Ich hab das auch vor einiger Zeit schon mal getestet und kann deine Ergebnisse bestätigen. Nur war mein Denkansatz etwas anders. Es bezog sich nur auf Ablagerung an den Schläuchen im Betrieb mit einem Eheim 2213. Dabei stellte ich fest, das die Durchflussmenge fast genau dann halbiert ist, wenn die Schläuche zu 18% zugeschlammt sind. Also eine Durchschnittsverkleinerung um ~18% führt zu 50 % weniger Durchflußleistung. Das fand ich schon erstaunlich.

Ork
12.04.2004, 18:25
Hallo,

danke für die lobenden Worte, werd 50% meiner Freundin abgeben :kiss: . Da bleibt ja dann immer noch genug für mich übrig :wave: . Baumfalke, ich werd bei Gelegenheit mal den Filter wieder abklemmen und den Durchsatz ohne Filtremedien etc. bestimmen. Dafür muss ich folgendes Problem lösen, hat dafür jemand eine Idee, wie ichs machen kann?

Ich muss Wasser aus einer höher gelegenen Stelle anziehen. Dann zum Filter über die Pumpe zum Auslass. Der Auslass (ohne Schlauch) liegt tiefer als das Wasser welches angesaugt wird. Demzufolge passiert identisches wie beim Wasserwechsel, zur Pumpleistung kommt noch eine Saugleistung hinzu. Leider haben tiefere Stellmöglichkeiten des Ansaugbehältnisses nur zu einer uneffizienten Ansaugung geführt. Wer hat Rat?