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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gyrodactylus sp. - Hautsaugwurm von Doc


Petute
12.03.2008, 16:35
Gyrodactylus sp.
Hautsaugwurm

gehört ebenso wie Dactylogyros sp. zu den Monogenen Trematoden ist jedoch im Gegensatz zu
Dactylogyros sp. lebendgebärend und ist bei den Parasiten einzuordnen

Biologie

Hautsaugwürmer sind bei Süßwasserfischen weit verbreitet und ernähren sich von Hautzellen und Blut die sie durch schabende und Saugende Bewegungen aufnehmen. Sie finden sich überall auf dem Fisch jedoch seltner in den Kiemen was dies jedoch nicht ausschließt, insbesondere bei Diversen gut geschützten Welsen gibt es hier Ausnahmen.
Gyrodactylus-Arten haben in der Regel eine Größe von 0,3 bis 0,9 mm. Sie verfügen über einen Hakenapparat am Hinterende mit dem sie auf dem Fisch halt finden. Jeder Gyrodactylus enthält einen Embryo der bereits voll ausgebildet ist und ebenfalls wieder über einen Embryo verfügt, auf diese Weise kann man in einem Muttertier über vier Generationen an Nachwuchs finden. Obwohl Gyrodactylus-Arten immer nur ein Junges lebend gebären ist die Vermehrungsrate extrem hoch. Aus einem Geschlechtsreifen Hautsaugwurm können unter günstigen Bedingungen innerhalb eines Monats etwa eine Million Nachkommen Entstehen. Aufgrund ihrer Fortpflanzugsbiologie sind die lebend-gebärenden Hautsaugwürmer einfacher zu bekämpfen als Eierlegende, was hier jedoch eine genaue Mikroskopische Diagnose voraussetzt, da die Verwechslung mit Eierlegenden Kiemenwürmern oder anderen Ursachen hier sonst eine Medikation völlig fehlschlagen lassen kann. Mitunter liegt auch ein Mischbefall vor von Gyrodactylus und Dactylogyros. Lebend-gebärende Kiemenwürmer sind wirtsspezifisch, das heißt habe ich einen Befall bei einem Diskus ist es unwahrscheinlich dass z.B. ein ebenfalls in dem Becken gepflegter Skalar davon befallen wird (eine absolute Garantie gibt es hierfür jedoch nicht). Gyrodactylus-Arten sind etwa 5 – 10 Tage ohne Wirt überlebensfähig.
Hautsaugwürmer sind meistens bei WF in geringer Zahl vorhanden ohne das sie den befallenen Fisch in seinen Lebensgewohnheiten einschränken, bei guten Haltungsbedingungen werden sich die Würmer kaum in dem für Fische gefährlich werdenden bzw. beeinträchtigenden Maß, vermehren. Vorraussetzung ist natürlich eine gewisse Robustheit und ein gesundes Immunsystem des Fisches.
Gefährdet sind eher Jungfische mit noch unausgeprägtem Immunsystem da hier ein Befall die Jungfische und ihr Immunsystem stark fordert. Ebenfalls zur Gefährdungsgruppe zählen diverse Farb- und Hochzuchten die meist nicht mehr über ein intaktes Immunsystem verfügen, was natürlich auch für Fische die bereits durch andere Ursachen geschwächt sind, gilt.

Vorbeugung und Quarantäne

Optimale Haltungsbedingungen, 4- wöchige Quarantäne bei Wildfängen, bei Verdacht auf Befall genau feststellen um welchen Parasiten es sich handelt (mikroskopische Untersuchung)
Den Fischen und ihrem Herkunftsort entsprechende optimale Haltungs-
und Wasserbedingungen bieten. Vermeidung von Sozialstress durch Zusammensetzen von Fischen deren Lebensweisen Revier- und Brutverhalten, oder Futtergewohnheiten nicht miteinander Konform gehen

Symptome und Verwechslungsmöglichkeiten:

Wie bereits erwähnt Verwechslung mit Dactylogyros sp., Vergiftungen, andere Parasiten im Kiemen und Hautbereich die das typische Scheuern und beschleunigte Kiemenfrequenz verursachen können
Anhand des Hakenapparartes kann eine grobe Bestimmung vorgenommen werden.
Auch tritt gelegentlich so genanntes Flossenzucken, bei starkem Befall abstehende Kiemen ein- oder beidseitig, wenn die Kiemen ebenfalls befallen sind, ruckartiges vorstülpen des Mauls, Verschleimung der Kiemenbögen oder Hautpartien (in Extremfällen wird die Sauerstoffaufnahme so stark reduziert das die Fische ersticken.
weitere Verwechslungsmöglichkeiten der Symptome wären Sauerstoffmangel, co2 Überschuss, andere Parasiten im Kiemen und Hautbereich die die Fische zum Scheuern veranlassen oder sie unter die Wasseroberfläche treiben

Behandlung

Vorwort

Ein paar wichtige Dinge vorweg. Behandlungserfolge sind einfacher und erfolgreicher als bei Eierlegenden Kiemenwürmern zu erzielen da eine Behandlung in der Regel nur einmalig erfolgen muss sofern kein Mischbefall von Dactylogyros sp. und Gyrodaktylos sp. vorliegt. Dies setzt eine sichere Diagnose um welchen der Quälgeister es sich handelt (Lebendgebärend oder Eierlegend) zwingend voraus.
Viele der Medikamente sind nur unter schwierigen Umständen zu bekommen, meist Apothekenpflichtig und bedürfen einer Absolut korrekten Anwendung (und gehören somit auch nur in die Hände erfahrener Aquarianer).
Unsachgemäße Handhabung kann zum Tod der Fische führen.

Gyrotox (Zoofachhandel)
Wirkstoff Tosylchloramid-Natrium 3H2O /Cloramin- T

Dosierung 1,6g /100 l, 2 Tage lang, danach Teilwasserwechsel und Aktivkohlefilterung (mind 24 h), nach 5-6 tagen die Behandlung evtl. wiederholen. Solange der Ph- Wert über 7,3 liegt kann die Behandlung auch in weichem Wasser erfolgen. Vor der behandlung einen teilwasserwechsel durchführen, Co2 Düngung wenn vorhanden abstellen
und gut belüften, der Ph-Wert muss während der ganzen Behandlung über 7,3 liegen und es darf kein Amoniak nachweisbar sein das sonstextrem giftiges Monochloramin entstehen kann. Es ist pflanzenverträglich. Absolut keine Kombination mit anderen Medikament, Wasseraufbereitern ect.

Behandlung mit Masoten/ Negufon

(Der Hersteller hat zwar 1999 die Produktion dieser Medikamente wegen der zur Behandlung nötigen sehr geringen Mengen eingestellt es sind aber noch große Restmengen vorhanden, daher sei es hier der Vollständigkeit halber erwähnt.)

Wirkstoff: Trichlorfon Dimethyl
(nur für große Fischarten geeignet, ist sehr giftig)

Dosierung: Stammlösung herstellen 1g Masoten auf 1l Wasser

Hinweis: Die Lösung muss sofort verbraucht werden, Nicht ins Abwasser gelangen lassen, sie muss vorher neutralisiert werden (pH - Wert der Lösung mit Natronlauge sechs Stunden lang auf mehr als 12 pH). Ist GIFTIG beim verschlucken. Die toxische Wirkung ist abhängig von der Wasserbeschaffenheit und der Fischart. Mit der Dauer der Behandlung nimmt die Toxizität zu. Dieses Medikament ist in der Handhabung nicht unproblematisch und gehört nur in erfahrene Hände. Auf keinen Fall dürfen Fische in schon gebrauchte oder einige Stunden alte Lösung gebracht werden. Masoten muss jedes Mal neu angesetzt werden.

100 ml Stammlösung auf 100 l Aquariumwasser
pH zwischen 6 – 7; bei max. 25 °C Behandlung mindestens 3 Tage
in einem Quarantänebecken.
Während dessen kann das fischleere Becken desinfiziert werden in dem alles einschließlich Filter ect. für mind. 3 Tage vollkommen trocken hält. Die Pflanzen sind nicht wieder zu verwenden bei diesem Verfahren
danach erfolgt ein starker Wasserwechsel, am besten zweimalig von jeweils mind. 70 % den Rest des Medikamentes mittels Aktivkohle entfernen

Hinweis: die Medikamentenreste müssen jeweils vollständig entfernt werden,
Achtung die Masotenbehandlung wird von kleineren Fischen, wie Neons, Guppys,
sowie von Welsen und Niederen Tierarten überhaupt nicht vertragen und wird mit
hoher Wahrscheinlichkeit zu deren Tod führen!!!
Diese Behandlung schwächt die Tiere sehr.

Flubenol 5% bzw. Flubendazol

10 mg Wirkstoff/ auf 100 Wasser (200 mg Flubenol 5% /100 l Wasser in ca.
6 ml DMSO angewärmt) lösen und gleichmäßig im Becken verteilen ;
Die jeweiligen Behandlungsdauer wie unter Punkt 4.1 mind.
3 -4 Tage mit Medikament, vollständige Entfernung des Medikamentes

Hinweis: Keine Wasseraufbereiter (wegen DMSO)
DMSO ist sehr giftig und nicht auf die ungeschützte menschliche Haut, keine Sonstigen Chemikalien im Wasser (Dünger, Medikamente ect.) Hohe Nitrit und Amoniakwerte können zusammen mit dem Medikament (DMSO) für Fische toxisch wirken. Unangenehmer Geruch in Räumlichkeiten, daher gut lüften. Nur in erfahrene Aquarianerhände!!!

Praziquantel

-täglich 2,5 mg Praziquantel - 5 Tage lang, am 6 Tag Medikament mit Wasserwechsel entweder 90% einmalig oder zweimalig 70 % vollständig entfernen mit zusätzlicher Filterung über Aktivkohle.
Abgesehen davon das die Fische etwas langsamer während der Medikamentenphase reagieren, ist diese Behandlung ohne weitere Nebenwirkungen .

Gruss Alex