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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 4.3 Blaualgen (Cyanobakteria) von Ork


Petute
12.03.2008, 16:53
4.3 Blaualgen (Cyanobakteria)

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Blaualgen eigentlich um Bakterien (Cyanobacteria). Es gibt ca. 2000 bekannte Arten, wobei in der Aquaristik nur die Oscillatoria-Arten (Schwingalgen) eine entscheidende Rolle spielen. Die Blaualgen waren die ersten bekannten Einzeller, die bereits vor 2,5 – 3,4 Mill. Jahren Photosynthese betrieben. Unter dem Mikroskop erkennt man Blaualgen daran, dass ihnen Zellkerne, Mitochondrien, Golgi-Apparate und Chloroplasten fehlen.

Ihre Zellwände sind dick und haben eine gelatinöse Konsistenz. Es gibt einzellige, Koloniebildende und mehrzellige Arten. Aus diesen Gründen bilden sie dichte, extrem schmierige, blaugrüne, violette oder braunschwarze Beläge (Schichten) von kleinen bis hin zu flächigen Ausmaßen. Meistens beginnt diese Ausbreitung am Boden und zieht innerhalb kürzester Zeit über Dekorationsmaterial und Pflanzen. Innerhalb kürzester Zeit führt dieser Algenteppich auf Pflanzen zur regelrechten Erstickung dieser. Die Cyanobakterien sind auch die Ursache, warum das Wasser einen extrem unangenehmen Geruch ausströmt. Nicht selten werden Giftstoffe freigesetzt.

Es ist bekannt, dass Blaualgen vorrangig in Aquarien vorkommen, die im hohen Maße ein Überangebot der Nährstoffe Nitrat und Phosphat bieten. Ursachen dieser hohen Werte sind häufig übermäßige Fütterung, faulender Bodengrund, starke Beleuchtung (direktes Sonnenlicht), CO2 Mangel, hoher pH-Wert und ständiger Sauerstoffmangel einhergehend mit zu geringer Bepflanzungsdichte.

Häufig kann der Hauptgrund für Blaualgen, besagtes Überangebot der Hauptnährstoffe Nitrat und Phosphat, gar nicht mittels der handelsüblichen Wassertest nachgewiesen werden. Die Blaualgen entwickeln sich in einem Aquarium derart rasant, dass diese Stoffe bereits vollständig aufgenommen wurden und somit fixiert sind. Oft kommt es dann zur Fehlentscheidung, dass diese Stoffe mittels Düngung/Fütterung nachgeliefert werden müssen. Nicht selten hat dieses Fehlverhalten zum Tod etlicher Lebewesen (Fisch, Pflanze, Wirbellose) im Aquarium geführt.

Großblättrige langsam wachsende Pflanzen sind niemals eine ernste Konkurrenz für die Blaualgen. Hier müssen wahre „Nährstoffvertilger“ in Form von schnellwüchsigen Pflanzen in das Aquarium gebracht werden. Enorm wirksam gegen diese Art der Algenplage hat sich der regelmäßige (täglich) Wasserwechsel herausgestellt. Im Zuge dieses Wasserwechsel können die Algen mit abgesaugt werden (sind sehr leicht lösbar). Weiterhin müssen faulende Stellen im Bodengrund entfernt, eine bessere Durchlüftung realisiert, der Filter gereinigt, eine CO2 Düngung durchgeführt, der pH-Wert gesenkt (saure Lebensbedingungen mögen die Blaualgen überhaupt nicht) und die Fütterung reduziert werden.

Mit totaler Verdunkelung über 2 – 3 Tage gelingt es häufig, die Blaualgen zu vernichten. Allerdings kann die Dunkelkur nicht die einzigste Maßnahme zur Bekämpfung sein. Es gilt immer noch die Ursachen zu beseitigen und dann erst die Algenplage selbst. Ansonsten kann nach der Dunkelkur wieder eine Blaualgenplage ausbrechen.

Vielleicht hat der ein oder andere Aquarianer schon beobachtet, dass Cyanobakterien manchmal nur an ganz bestimmten räumlich eng begrenzten Stellen im Aquarium auftreten und ansonsten das Becken clean ist. Dies hängt damit zusammen, dass sich diese Arten der Cyanobakterien offenbar an extrem nährstoffarme Lebensräume angepasst haben. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Blaualgen um Stickstoff fixierende Arten. An diesen Stellen liegt meist eine absolute Reinstwasserform vor. Diese spezialisierten Lebensräume sind gekennzeichnet durch viel Licht, kaum wahrnehmbare Strömung und ein so nährstoffarmes Wasser, dass darin kein weiterer Konkurrent eine Überlebenschance hat. Das Strömungsverhältnis im Aquarium zu verändern ist in solchen Fällen oft schon ausreichend.