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Alt 17.09.2008, 09:54
Standard Biological Cres Investigation von B.

Juni 2007

Bereits 2004 bin ich mit einer Universitäts-Exkursion auf die Insel Cres gekommen und habe mich damals in diese Insel verliebt. Es war klar, ich mußte wieder dorthin.
damalige Eindrücke:
Abendstimmung

Heuer ist es mir endlich gelungen, erneut für ein paar Tage hinunter zu fahren.
Gemeinsam mit einer wahnsinnig guten Freundin und Kollegin, sind wir drei Tage lang auf der Suche nach tollen Tieren, Botanik und den versteckten Plätzen der Uni-Exkursion gewesen.
So haben wir wieder einmal den Teich bei Merag aufgesucht, der sich durch reichhaltige Fauna und Flora auszeichnet. Die Orchideen auf dem Schwingrasen haben wir nicht gesucht, aber dafür sind uns natürlich etliche Tiere aufgefallen.

Feuerlibellen sind dort reichlich geflogen. Aber ich habe auch eine junge Wespenspinne aus ihrem Netz aufgeschreckt.


Am nächsten Tag waren wir auf einer kleinen Wanderung. Unser Ziel war eigentlich Verin. Aber schick zwei Biologen in die Gegend hinaus und sie werden ihr Ziel nie erreichen.

Unser Startpunkt lag bei einer kleinen Kapellenruine. Und ich schwör euch, beim Zurück kommen, saß auf der Spitze der Ruine ein Gänsegeier!
Gleich daneben befindet sich wieder ein Teich, der natürlich wieder unser Interesse an sich zog.

Und natürlich auch das Interesse des permanent mit uns befindlichen Hundes. Der kleine Kerl hat bei unseren mehrstündigen Wanderungen nie schlapp gemacht, sich dann aber oft kopfüber in einen Tümpel gestürzt, wenn wir an einem vorbei kamen. Hier ist er noch etwas zögerlich.
Am weiteren Weg haben uns unter anderem Knabenkräuter aufgehalten.

Und natürlich haben wir auch das Objekt unserer eigentlichen Begierde gefunden. die dort ansässigen Taranteln.

Auf dem Foto befindet sich eine 4cm lange weibliche Tarantel, die wir kunstvoll auf ihrem Erdloch heraus geholt haben.

Und auch ein kleines Mitbringsel kam nach Wien.

Sozusagen wissenschaftliches Interesse brachte mich dazu, aus einem Tümpel, der vor dem Austrocknen war, eine Käferlarve mit zu nehmen. Diese verpuppte sich gleich am Tag nach der Ankunft in Wien. Seit gestern Abend ist der Käfer aus der Puppenhülle geschlüpft.
Sobald er aktiv wird, kommt er ins Aquarium und dann werde ich auch mal versuchen mit dem Bestimmungsschlüssel heraus zu finden, um welche Art es sich handelt.

Auf jeden Fall, werde ich in den nächsten Jahren sicher wieder runter fahren. Diese Insel bietet noch eine ganze Menge mehr.
Und das nicht nur von der zoologischen Seite her.
Auch etliche Kräuter haben wieder mit Wurzeln ihren Weg nach Wien gefunden und sitzen nun in Blumentöpfen auf meinem Fensterbrett.

Lg B.

September 2008

Vergangenen Donnerstag war es wieder einmal so weit - dieses Mal haben sich drei "Irre" und ein Hund auf die Reise nach Cres gemacht. Unter dem Motto Biological Cres Investigation standen mehrere Lokvas, die Hochebene, die Geierklippen und noch einiges mehr auf dem Programm. Viel, für drei kurze Tage. Aber ich kann euch versichern, wir haben alles geschafft.
Ich will euch mal in ein paar Worten und einigen Bildern erzählen, was wir erlebt haben (ist genau das Richtige um wieder daheim anzukommen).

Tag 1
- Geierklippen bei Orlec
An dieser Stelle geht es 40m oder mehr steil zum Meer hinunter. Die Straße windet sich in steilen Serpentinen den Felshang entlang. Bis hinunter bin ich leider nicht gekommen. Das hat mein Knie nicht mitgemacht. Dafür habe ich jedoch den herrlichen Ausblick genossen und gleich das erste zoologische Highlight gefunden - eine Ameles decolor.

Gerade einmal 3cm groß ist sie mir nur durch ihr charakteristisches Wippen in der Pflanze aufgefallen. Eigentlich wollten wir ja Schmetterlinge fotografieren.
Und damit ihr noch wißt, von welchem Ausblick ich so spreche.


Nächster Punkt war dann der erste wirklich wissenschaftliche Exkursionspunkt. Der Lokva Sv.Vid bei Merag. Dieser Tümpel zeichnet sich wirklich durch eine reichhaltige Flora und Fauna aus. Neben dutzenden Libellen - unter anderem wieder die Feuerlibellen konnten wir Wasserkäfer, Wanzen uvm beobachten. Leider war der Wasserstand nur extrem niedrig.
Ich hoffe nur, das es sich dabei um eine Erscheinung des trockenen Sommers gehandelt hat. Immerhin hat uns Geny, unserer Vermieterin - die wir schon seit den Uni-Exkursionen mit unserem Prof von 2003 her kennen, immerhin steigen wir ja immer im Ex-Hauptquartier ab - erzählt, das es seit Mai nicht mehr geregnet hatte.
Aber eigentliches Ziel waren die Gambusen.

Hier scheint es sich wirklich um die Art G.affinis zu handeln - aber sicher kann ich euch das erst in einigen Tagen sagen.

Dann ging es noch weiter in den Lorbeerwald. Nachdem wir dort das Auto von unserem Prof. entdeckt haben (ist der doch glatt gleichzeitig mit uns auf Cres ) und ihm eine Nachricht hinterlassen hatten, ging es weiter in die Hauptstadt der Insel. Mal ein bißchen Zivilisation schnuppern.
Bei einem Eis, haben wir die engen Gassen der Insel erkundet, sind ans Meer hinaus und dann doch wieder recht schnell zurück, um den Tag am Strand in Martinscica ausklingen zu lassen.

Doch damit hat der kein Ende gefunden. Prompt stand am Abend eine nicht geplante Nachtexkursion auf dem Programm. Man darf eben nicht mit zwei Biologen auf eine biologische Reise gehen.
Und was haben wir da entdeckt?? Div. Schnecken und die ersten Skorpione.

Sobald der Ruf Skorpion ertönt war, ging es erst richtig los. Rund um unser Appartement sind wir mit den Taschenlampen und Kameras in der Gegend herum gekrochen, sehr zum Amüsement von Geny, die uns die ganze Zeit über von ihrer Terasse aus beobachtet hatte.

Denn da gab es noch ein Tier, von dem ich bisher immer nur gehört hatte. Aber mit Sehen war noch nix. Und dann plötzlich schoß ein Jungtier an mir vorbei. Kameras gezückt und gefangen.

Ein juveniler Halbfinger-Gecko. Später haben wir dann noch eine ganze Menge adulte gefunden. Ich bin also wieder halbwegs mit der Insel versöhnt.
Nur die Mauergeckos, die wir massenweise gehört haben, konnten wir leider nicht finden.

Tag 2
Dieser Tag stand ganz unter dem Motto terrestrische Ökologie. Gesucht waren die Taranteln und die schwarzen Witwen, ebenso wie alles andere was man so finden kann.
Also ging es zur Hochebene, die zwischen Srem, Plat und Verin liegt. Traditionellerweise gehen wir dann immer Richtung Verin los.

Durch herrliche alte Viehgatter, zwischen Trockensteinmauern klettern wir dann über den karstigen Boden. Eine "Freude für schwache Gelenke".
Den Blick auf den Boden geheftet, denn man will ja so was finden:

Diese unaufälligen Löcher im Boden, deren Rand so liebevoll mit Gras ausgekleidet sind, weisen einen zu den Taranteln. Nur ein Loch zu finden, bedeutet dann nicht gleich eine Tarantel zu finden.
Also schwärmt man dann aus, geht im Meterabstand durch die Wiese und versucht das Richtige zu entdecken.
Aber rund um die Kapelle sind sie immer wieder zu entdecken.

Wenn man dann auch noch die Augen auf den Steinmauern hat, auf den Sträuchern, dem Gras und eigentlich auch noch am Himmel , dann kann man noch solche Schönheiten entdecken.

Wenn ich mich jetzt richtig erinnere, dann handelt es sich um die adriatische Mauereidechse (Podarcis melisellensis) und zwar ein eher zeichnungsloses Exemplar.
Und dann - wenn man schon gar nicht mehr wirklich daran glauben mag, findet man sie doch noch.

Meine absoluten Lieblinge. Jedes Jahr aufs neue freue ich mich wahnsinnig, wenn ich sie sehen kann. Das abgebildete Tarantelweibchen ist dabei eher noch ein kleines Exemplar. Wir haben auch größere gefunden und auch eine, die gerade ihre Jungen auf dem Hinterleib getragen hat.

Doch aufziehende Gewitterwolken haben und dann leider recht schnell zum Tagesabbruch gezwungen. Meine Schwarzen Witwen habe ich also heuer wieder nicht gesehen.
Aber ich fahre ja wieder hin.

Tag 3
Ein Ruhetag vor der Heimreise. Ruhe heißt aber bei Biologen nicht, das nichts getan wird.
Wir haben die Umgebung von Martinscica unsicher gemacht.


Und haben auf unserer heimatlichen Terasse dann noch die letzte zoologische Sensation fotografieren können.

Den Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius).
Den restlichen Tag verbrachten wir dann noch am Strand.

Am Abend haben wir dann noch versucht den Mond abzulichten und uns die Zwischenzeit mit Poker versüßt. Ich will gar nicht an die "Spielschulden" denken, die ich momentan noch habe. Einiges an Ziegelsteinen darf ich noch blechen. Aber vielleicht kann man ja das Sprichwort "Glück im Spiel, Pech in der Liebe" für mich umdrehen.

Tag 4
Abfahrt.
Eigentlich wollte keiner von uns dreien so recht nach Hause.
Wir sind daher noch mal gemütlich über die Insel gefahren, haben mehrmals Halt gemacht, um noch abschließende Fotos zu bekommen.


Eines steht fest, wir kommen sicher wieder. Wenn alles gut geht, schon im Mai zur nächsten Biological Cres Investigation.

Lg B.
__________________
liebe Grüße,

Maria

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Ich sollte diesen Lehrern nicht undankbar sein! " Kahlil Gibran
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