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Alt 06.03.2008, 07:32
Standard Mikrofauna und -flora im Aquarium von Heidi & B.

Mikrofauna und -flora im Aquarium

Wer kennt das nicht, man steht vor einem Aquarium, bewundert die schönen Fische und Pflanzen, und plötzlich flitzt ein kleiner weißer Punkt durchs Wasser.
Denn mit den Fischen und Pflanzen bekommt man unweigerlich auch immer wieder Kleinstlebewesen ins Becken die man meist weder sieht noch sonstirgendwie bemerkt.
Da ich ein neugieriger Mensch bin und schon immer wissen wollte was sich so in meinen Becken tummelt und ich dank meiner Arbeit nun auch ein leistungsfähiges Mikroskop zur verfügung habe möchte ich euch gerne zeigen was ich so alles gefunden habe.

Nicht alles was ich gefunden habe konnte ich bestimmen (Bestimmungsliteratur: Das Leben im Wassertropfen, Mikroflora und Mikrofauna des Süßwassers; Heinz Streble, Dieter Krauter;Kosmos), und manches ist selbst bei 400x Vergrößerung einfach zu klein um Fotos zu machen.

Klasse der Arthropoda
Unterklasse der Crustacea (Unterklasse: Copepoda)


Ruderfußkrebs: (allgemein Hüpferling)



Bei den Ruderfußkrebsen kommen im Süßwasser etwa 125 Arten vor.
Der Körper unterteilt sich in ein Kopf-Bruststück (Cephalothorax), eine Brust (Thorax) und den Hinterleib (Abdomen).
Am Cephalothorax befinden sich 2 paar Antennen wobei das 1. Paar als Sinnesorgan dient und das 2. Paar zusammen mit den Maxillen und Maxillipenden die Mundwerkzeuge bildet.
Am Thorax befinden sich die 5 Brustbeinpaare die für die "hüpfende" Fortbewegungsart des Hüpferlings verantwortlich sind. Die langen Schwanzborsten am Hinterleib fungieren dabei als Steuer.
Am Abdomen tragen die Weibchen auch die Eisäcke.

Aus den Eiern schlüpfen dann die sogenannten Nauplius Larven:



Nach mehreren Häutungen (ca. 6) wird aus der Nauplius Larve dann ein Copepodit. Es folgen weitere Häutungen wobei nun mit jeder Häutung weitere Segmente gebildet werden. Das adulte Tier hatt dann eine Lebensdauer von 6 bis 13 Monaten. (erstaunlich lange für so ein kleines Tier, oder?)

Die Ähnlichkeit zwischen Larve und adultem Tier ist nicht gerade groß. Hatte zuerst gedacht gleich zwei Tierchen gefunden zu haben.

Genau bestimmen ließ sich mein Hüpferling auch nicht. Soweit ich das sagen kann gehört er zu den Cycopoida. Bei dieser Gruppe der Ruderfußkrebse trägt das Weibchen zwei Eisäcke (bei den anderen Gruppen (Calanoida, Harpacticoida) ist es nur ein Eisack).



Stamm Annelida (Gliederwürmer)
Ordnung Oligochaeta (Wenigborster)




Das Schnauzenwürmchen (Pristina longiseta) ist zwar mit dem Regenwurm verwandt aber nur 2-6mm lang. Der Körper besteht aus fast 30 Segmenten. Nur auf dem ersten und letzten Segment befinden sich keine Borsten. Die Rückenborsten am 3. Segment sind stark verlängert, sehr beweglich und dienen wahrscheinlich als Tastsinnesorgane. Die Hakenförmig gekrümmten Bauchborsten dienen der Verankerung am Untergrund und helfen bei der Fortbewegung.

Der Kopf:



Deutlich zu sehen ist hier die namensgebende rüsselartige "Schnauze" und die Mundöffnung. Das Schnauzenwürmchen scheint sich so weit ich das beurteilen kann von Algen und abgestorbenen Pflanzenteilen zu ernähren. Internet und Bestimmungsbuch geben dazu leider keine Auskunft.

Das Hinterteil:



Hier sind noch einemal schön die gekrümmten Bauchborsten zu sehen.

Muschelkrebs(Ostracoda)

Muschelkrebse gehören wie die Wasserflöhe und die Hüpferlinge zu den Arthropoda. Ihren Namen verdanken die Muschelkrebse der zweiklappigegen, stark verkalkten Schale die ihren Körper umschliest.



Muschelkrebse sind meist Bodenbewohner mit eher eingeschränktem Schwimmvermögen (im Meer gibt es jedoch auch einige frei schwimmende Arten) was auch an den am Foto sichtbaren Beinen erkennbar ist. Auch das Auge ist links oben deutlich als dunkler Fleck zu sehen.

Bei Gefahr kann die Schale fest verschlossen werden wodurch die Tiere auch das Austrocknen oder Einfrieren ihres Lebensraumes unbeschadet überstehen.

Die Schalen der Muschelkrebse dienen übrigens auch als Leitfossilien und haben dadurch geologisch und paläontologisch einige Bedeutung.

Wasserhornmilbe: (Hydrozetes lacustris)



Die Wasserhornmilbe ist keine "echte" Süßwassermilbe sondern eine an das Leben im/am Wasser angepasste Hornmilbe und kann bis zu 0,5mm groß werden. Der Rest der Hornmilben (ca. 800 Arten) sind Bodenbewohner und oft in Moosen zu finden.

Wimpertiere: (Ciliata)

Die Ciliaten sind eine der Artenreichsten Gruppen die mann im Süßwasser finden kann. Wimpertiere sind die höchstorganisierten Einzeller im Tierreich! Ihren Namen verdankt diese Gruppe den Wimpern (Cilien) die der Fortbewegung ebenso wie der Nahrungsaufname dienen.
Obwohl die Ciliaten zu den Einzellern gehören besitzen die meisten 2 Zellkerne, einen Großkern der die Lebensfunktionen steuert und einen Kleinkern der bei den Sexualvorgängen die entscheidende Rolle spielt.

Ordnung Petitricha (Glockentiere):

Glockentiere sind auf Stielen sitztende Wimpertiere. Die Wimpern sind auf eine der Nahrungsaufnahme dienenden Kranz am Vorderende reduziert.



Bei Gefahr werden Stiel und Wimpern eingezogen:


Glockentiere die mit der Umgebund "unzufrieden" sind, vom Untergrund abgerissen wurden oder kopulationsbereit sind lösen sich vom Stiel und bilden sogenannte Schwärmer die sich an anderer Stelle wieder in der sessilen Form niederlassen.

Ordnung Holotricha:

Holotriche Wimpertiere besitzen ein den ganzen Körper bedeckendes Wimpernkleid. Zu dieser Gruppe gehört zb auch das allseits bekannte Pantoffeltierchen (Paramecium):



Pantoffeltierchen vermehren sich normalerweise ungeschlechtlich durch Querteilung in zwei Tochterzellen. Gelegentlich kommt es jedoch auch zur geschlechtlichen Fortpflanzung. Dabei legen sich zwei Pantoffeltierchen aneinander und es entsteht eine Plasmabrücke zwischen den Tieren. Nun kommen die vorhinn erwähnten Kleinkerne ins Spiel:
Der Kleinkern jedes Konjugationspartners teilt sich in vier haploide Tochterkerne. 3 dieser neuentstandenen Kerne sterben ab, der verbliebene Kern teilt sich erneut in 2 Kerne. Einer dieser Kerne wandert in das andere Pantoffeltieren und verschmilzt mit dem dort verbliebenen Kleinkern. Nach der Verschmelzung der 2 Kleinkerne (je einer von jedem Konjugationspartner) trennen sich die Pantoffeltierchen wieder voneinander.
Während sich die Kleinkerne immer wieder geteilt haben ist der alte Großkern abgebaut worden. Der neue Großkern wird aus den miteinander verschmolzenen Kleinkernen gebildet.
30-50% der durch eine Konjugation entstandenen Tiere sterben!!!
Trotz der hohen Verlustrate bringt die geschlechtliche Fortpflanzung aber genug Vorteile um das Risiko einzugehen.
Ein wahnsinnig kompliziertes Verfahren für Einzeller oder?

So heute hatte ich endlich mal wieder Zeit mich ans Mikroskop zu setzten und ich hab auch wieder ein paar nette Bilder.

Anfangen möchte ich mal mit dem größten:



Das ist eine Wasserassel Asselus aquaticus (und in dem Fall forma domestica )

Wasserasseln werden relativ groß: Männchen 12-14mm, Weibchen 8mm
Sie sind Detriusfresser und sehr anspruchslos was die Wasserbedingungen betrift. Meine leben in einem Plexiglasbehälter der ca. 4l Wasser fasst, der Bodengrund ist grober Flusskies. Das "Becken" steht bei mir auf Raumtemperatur, was bei meiner Wohnung auch schon mal 10°C oder aber auch 35°C bedeuten kann. Gelegentlich kommt etwas getrocknetes Laub ins Becken. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich diese Tiere zur Futtertierzucht eignen würden, hab aber noch keine dahingehende Versuche unternommen.



Einmal das Hinterteil, hier sitzen auch die Kiemen.



Und hier eine vergrößerte (400x) Aufnahme einer Antenne. Deutlich sichtbar sind hier nun die Glockentierchen, die sich auf der Antennenoberfläche angesiedelt haben. Glockentierchen sind Filtrierer, die sich mit ihren Wimpernkränzen die Nahrung herbeistrudeln, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine "mobile Wohnung" dabei von Vorteil ist.

Die Glockentierchen, die am ganzen Panzer verteilt leben, sind aber nicht die einzigen Mitbewohner der Wasserassel!



Auch diese Rädertierchen lassen sich von der Wasserassel durch die Gegend tragen. Sie verlassen die Assel zwar immer mal wieder kehren aber nach diesen Ausflügen auch wieder zu ihrem "Tragetier" zurück.
Bei der Bestimmung bin ich mir diesmal ziemlich sicher, was bei den vielen verschiedenen Rädertierarten schon was heißen will
Den "Kopf"des Rädertierchens kann man leider nicht sehen, dafür aber den sehr beweglichen "Fuß", der bei dieser Art so wie der Kopf einen Wimpernkranz trägt. Ob das der Fortbewegung dient oder für etwas anders benötigt wird, kann ich aber nicht sagen.
Ach ja die Aufnahme erfolgte bei 400x Vergrößerung und das Tierchen hat eine Länge von 126µm (ohne Fuß und Kopf).



Hüpferlinge hatten wir zwar schon, aber mir gefällt diese Seitenansicht sehr gut. Deutlich sichtbar ist hier auch eines der Augen!



Hier eine schöne Bauchansicht einer Naupliuslarve.



Hier bin ich mir nicht ganz sicher, was ich gefunden habe. Es könnte sich um die leere Schale eines Muschelkrebses handeln. Bei den Fäden handelt es sich wahrscheinlich nicht um Algen sondern eher um Pilzfäden.
Auch hier ist die Vergrößerung 400x

Diesmal möchte ich aber weniger auf Tiere sondern eher auf Pflanzen bzw Chlorophyll eingehen.



Dieses Bild zeigt eine ganze Reihe verschiedener Algen, sowohl einzellige als auch mehrzellige.
Für das nächste Bild hab ich extra unsere teure Lampe angeworfen



Das ist eine Fluoreszenzaufnahme der selben Algen. Hierbei wird das Licht der Lampe gefiltert, sodass nur Licht einer bestimmten Wellenlänge auf das Präparat trifft.

Mann sieht sehr schön das fluoreszierende Chlorophyll in rot.







Hier sieht man deutlich, dass nur das Chlorophyll leuchtet, während die "Stacheln" statt in rot in einem leichten blaugrün dargestellt sind.

So für den Rest muss ich mir erst wieder das Bestimmungsbuch aus der Bücherei holen. Ich will ja schließlich keinen Blödsinn schreiben

Wenns noch nicht verständlich genug erklärt ist, bitte einfach melden. Bin da manchmal selber auch verwirrt.

liebe Grüße
Heidi

Endlich geht es weiter mit den mikroskopischen Bildern aus meinem Fensterbrettaquarium.

Askenasia volvox (Kreiselblitz)

Ist ein Wimperntierchen, um dessen Mund sich ein wimpernkranz befindet, der unmittalbar dahinter von einem zweiten Kranz aus schräg nach hinten gehaltenen Zirren gefolgt wird. Die Tiere schießen blitzrtig zur Seite oder nach vorne. Sie sind in nährstoffreichen, flachen Gewässern zwischen den Wasserpflanzen zu finden.
Größe: ~50µm

Fadenwurm

Folgenden Fadenwurm (Nematode) konnte ich nicht näher bestimmen, da der Mundapparat nicht gut genug zu erkennen war.

Glockentierchen


Centropyxis aculeata (Stachel-Schalenamöbe)

Diese Schalenamöbe (oder Wuzelfüßer) hat eine undeutlich punktierte Schale, die locker mit Steinchen, Detritus oder Diatomeen bedeckt ist. Das Hinterende weißt 2-8 Dornen auf, vorne befinden sich oft weitere. Die Mündung liegt exzentrisch. Sie sind in Teichen und Moosen häufig zu finden und weisen eine weite Verbreitung auf.
Größe: 120-180µm

Das waren jetzt noch einmal die restlichen Tiere vom letzten Mikroskopier-Treff.
Und jetzt zeige ich euch die Ausbeute des gestrigen Mikroskopierens mit Heidi. Die Quelle war wiederum der Mulm verschiedener Stellen meines Fensterbrettaquariums.

Paramecium

Haben wir dutzendfach in vielen verschiedenen Größen gefunden.

Stentor sp. (Trompetentierchen)

Ein Vertreter der Wimperntierchen, der äußerst kontraktil ist.

Aeolosoma variegatum (Öltropfenwürmchen)


Ein Vertreter der Wenigborster (Gliederwürmer). Bei diesen Tieren ist der Kopflappen bauchseitig dicht bewimpert. Die Fortpflanzung findet durch Sprossungszonen ungeschlichtlich statt. Sie sind in Teichen, Tümpeln und Aquarien zu finden und leben als Einzelgänger.
Größe: 1,5-4mm (hatten unsere bei weitem nicht)

Und schlußendlich haben wir noch einen der Marchauenflöhe unters Mikroskop gelegt.

Daphnia magna (Großer Wasserfloh)

Die Schalen dieses Wasserflohs sind deutlich gefeldert. Es handelt sich um eine wärmeliebende Tümpelform, die in sehr nährstoffreichen Gewässern massenhaft anzutreffen ist. Lebensdauer: 14-182 Tage
Größe: Weibchen -6mm
Männchen -4mm
Und was wir im Mikro gesehen haben, Heidi, das waren die Leberhörnchen.

Ein paar Tierchen fehlen noch, aber da habe ich bisher keine Ahnung, wohin ich die einzuordnen habe.

Lg B.
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